Im Jahre 1851 wurde mit den Arbeiten einer Eisenbahnstrecke zwischen Augsburg und Ulm begonnen. „Nach 2jähriger Bauzeit konnte am 26. September 1853 der Verkehr von Augsburg bis Dinkelscherben und von Ulm bis Burgau aufgenommen werden.
Besonders schwierig war der Streckenausbau zwischen Dinkelscherben und Burgau. Bei Gabelbach mußte zur Überquerung eines 1 1/2 km langen und bis zu 26 m tiefen Taleinschnittes ein Damm aufgeführt werden. Große Erdbewegungen erforderte die Tieferlegung einer 2 km langen Strecke bei Gabelbachergreut, um die Steigung des Höhenzuges zwischen Zusam- und Mindeltal zu verringern.
Für die Bauern brachte der Bahnbau gute Verdienstmöglichkeiten; sie leisteten Hand- und Spanndienste.
Viele fremde Arbeiter quartierten sich im Dorf ein, so dass die Einwohnerzahl des Ortes von 139 auf 430 stieg.
Etwa 50 Tgw. Land verloren die Bauern beim Bahnbau. Als Entschädigung bezahlte die Eisenbahnverwaltung je Tgw. zwischen 150 und 300 fl.
Zur Freude der Gabelbachergreuter wurde kurz vor der Freihalder Flurgrenze die 'Haltestelle Gabelbach' errichtet, weil die Kraft der damaligen Dampflokomotiven nicht ausreichte, um einen Zug an einer Steigung in Bewegung zu setzen. Auf Bitten und Drängen der Gemeinde Gabelbach und seines Pfarrers Joseph Böller verlegte die Eisenbahnverwaltung die Haltestelle nach Gabelbach und baute dort im Jahre 1887 einen Bahnhof.
Die Eröffnung der Eisenbahnstrecke Augsburg - Ulm erfolgte am 1. Mai 1854” (Hauf 1984, S. 51f.)
„In niederschlagsarmen Jahren herrschte immer Wassernot im Dorf. 1884 lieferten nur noch die Brunnen bei Hs.Nr. 7 und 11 Wasser, und in den Jahren 1904 und 1921 musste es von auswärts geholt und hergefahren werden.
Um aller Wassersorgen enthoben zu sein, entschloss sich die Gemeinde im Jahre 1969 eine Wasserleitung zu bauen. Nach einer Bodenuntersuchung erwarb die Gemeinde ein Grundstück im Garten von Hs.Nr. 5. 'Das Wasserwirtschaftsamt Günzburg, das im Zusammenwirken mit dem bayerischen Amt für Gewässerschutz einen fast 78 m tiefen Brunnen mit einer Ergiebigkeit von 4,5 Sek./Lit. erschloss, erstellte den Entwurf für die gesamte gemeindliche Wasserversorgungsanlage. Sowohl Brunnenvorschacht als auch Wasserspeicherung, Druckerhöhung und Notstromaggregat befinden sich in einem Raum. Das Wasser wird mit einer Unterwasserpumpe von 2,5 Sek./Ltr. bis in die Förderhöhe von 35 Metern in die zwei Speicherkammern von je 50cbm Inhalt gepumpt. Die Steuerung ist vollautomatisch. Mittels horizontaler Kreiselpumpen, die in Verbindung mit Saugbehältern arbeiten, gelangt das Wasser in die Entnahmeleitung. (...)'
Zur Verlegung kamen ca. 1400 m Gußrohre und 1050 m Kunststoffrohre für 37 Hausanschlüsse. Ungefähr 2800 cbm betrug der Erdaushub und etwa 300 cbm Beton und 10 Tonnen Baustahl wurden verbaut.
Die Gesamtkosten für die Anlage beliefen sich auf 343037 DM.
Die Bauzeit dauerte 3 Jahre” (Hauf 1984, S. 52ff.).
Die Anlage wurden im Jahr 1965 eingeweiht und war für die Anforderungen der foglenden Jahrzehnte konzipiert.
„Erst zu Beginn dieses Jahrhunderts entstand das Kraftwerk am Lech bei Gersthofen, das in den folgenden Jahren die schwäbischen Städte und Dörfer mit Elektrizität versorgte.
Im April des Jahres 1919 schloss die Gemeinde Gabelbachergreut mit der Elektizitätswerk AG Augsburg wegen Errichtung einer elektrischen Anlage einen Vertrag ab. Die Arbeiten begannen im Juli des gleichen Jahres und bereits an Weihnachten leuchteten die Glühlampen in den Häusern auf. Die Kraftanschlüsse wurden im Januar 1920 fertiggestellt.
Für die Fernleitung zahlte die Gemeinde 8300 Reichsmark, erhielt aber vom Reich, da es sich um eine Notstandsarbeit handelte, 4600 Reichsmark ersetzt. Für die Installation einer Glühlampe mußten 12,50 Reichsmark und für den Kraftanschluß je Tagwerk 6,50 Reichsmark entrichtet werden” (Hauf 1984, S. 59).
„Ein ausgefahrener, holpriger Feldweg führte einstmals von Gabelbach den steilen bewaldeten Kirchberg hinauf nach Gabelbachergreut. Erst im Jahre 1835 erfolgte der Ausbau zur Straße. Die Bauern der umliegenden Ortschaften mussten für den Bau Fahrdienste leisten. Für die Aufschotterung fuhren sie Kies aus der Kiesgrube am Beierweg, die erst nach 'langem Suchen' entdeckt wurde, herbei.
Nach dem ersten Weltkrieg (...) wollte der Distrikt die Straße von Gabelbach über Gabelbachergreut bis an die Freihalder Flurgrenze übernehmen, doch lehnte der Greuter Gemeinderat das Anerbieten unverständlicherweise ab, obwohl die Straße in keinem guten Zustand war.
Im Juli 1925 erhielt die Gemeinde auf Ansuchen von der Eisenbahnverwaltung Neu-Ulm 500 Fuhren Abfallschotter, der beim Gleisumbau bei Gabelbach herauskam. Damit setzte man die Straße von Gabelbach bis zur Dorfgrenze von Freihalden gründlich instand.
Der Ausbau der jetzigen Teerstraße erfolgte in den Jahren 1962-1964. Die Baukosten betrugen 537795 DM. (...) Nach Fertigstellung übernahm der Kreis die Straße.
Die Verbindungsstraße zwischen Gabelbachergreut und Grünenbaindt, die in den Jahren 1968-1970 ausgebaut wurde, verursachte Kosten von 248307 DM” (Hauf 1984, S. 61).
„Die alten Flurkarten der Gemeinde zeigen (...) eine stark zerstückelte, in viele Grundstücke aufgeteilte Flur. Im Kataster von 1853 werden 944 einzelne Parzellen aufgezählt, von denen ein Teil nur einen Flächeninhalt von 2-3 a besaß.
Zu dieser Zerstückelung kam es durch Verkäufe, Erb- und Gemeindeverteilungen. Sie erschwerte den Einsatz moderner landwirtschaftlicher Maschinen und verhinderte eine Steigerung der Ernteverträge.
Am 7. 2. 1968 ordnete das Bayer. Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aufgrund des Flurbereinigungsgesetzes vom Jahr 1953 das Flurbereinigungsverfahren in der Gemeinde an. (...)
1974 wurden die zukünftigen Eigentümer vorläufig in den Besitz der neuen Grundstücke eingewiesen, und am 29. 3. 1975 wurde die Flurbereinigung abgeschlossen” (Hauf 1984, S. 61ff.).
Nachdem Versuche, sich von der Mutterpfarrei Gabelbach zu lösen, zu Beginn des 19. Jahrhunderts scheiterten, ersuchte die Gemeinde die königliche Regierung im Jahr 1807, ein eigenes Kurat- und Schulbeefizium zu errichten. Zur Begründung wurde vor allem der schlechte Weg nach Gabelbach angeführt:
"Greut ist von Gabelbach eine 3/4 Stund entfernt. Der Weg ist viel schlimm, zur Zeit einer bösen Witterung schier nicht zu passieren. Eine geraume Strecke geht es durch einen bergigten Wald. Da müssen alte, ausgearbeitete, entkräftete Personen ihre letzten Kräfte anspannen, um ihn athemlos besteigen zu können. Schwangere Weiber sind auf ihm der gröten Gefahr ausgesetzt, sich und der Leibesfrucht durch einen, hin und wieder unvermeindlichen Falle, den größten Schaden zuzufügen. Denn er ist voll großer hervorragender Wurzen, steil, und zur Winterzeit bei zergehendem Schnee und eintretender Gefriernis ein Eis und Glas. Den Ehehalten müssen wir an Lohn etwas bedeutendes mehr geben, als anderswo, wegem dem beschwerlichen Kirchgange, auf dem bei böser Witterung ihre Schuhe und anderen Kleidungsstücke zugrunde gerichtet werden. Wegen der weiten Entfernung und dem bösen Wege ist es auch sehr hart zu den Kranken geschwind einen Geistlichen zu bekommen. Bis man nach Gabelbach kommt und von da mit einem Geistlichen zurück, sind zwei kleine Stunden vorüber. Indessen man hundertmal dahinsterben kann. Unsere Kinder nach Gabelbach in die Schule zu schicken ist äußerst hart, wenn es nämlich regnet und schneit und der Schnee höher ist als die Kinder selbst. Darum müssen wir sie zu unserem großen Herzeleide aufwachsen lassen ohne daß sie das Lesen und Schreiben regelmäßig erlernen und einen gründlichen und vollständigen Religionsunterricht erhalten. Alle diese Übel würden behoben, wenn Seine Königliche Majestät unser Allergnädigster und Bester Landesvater unsere unterthänigste Bitte erhört und zur Errichtung eines Benefiziums bei uns das gnadenvolle Jawort spricht.
Matheiß Vogg, Bürgermeister; Johannes Stöckle, Bürgermeister" (zit. aus Hauf 1984, S. 84f.).
Nach mehrjährigen Verhandlungen und der Zustimmung des Gabelbacher Pfarrherrn folgte am 18. April 1810 die Genehmigung des 'Königlichen bayerischen General-Comißariat des Lechkreises' im Namen 'Seiner Majestät des Königs' unter bestimmten Maßgaben (Einhalt der vom Hauptstifter gestellten Bedingungen, Verpflichtung zu drei Schulstunden täglich im Winter und zum Besuch der Pfarrschule im Sommer, die Errichtung als Freischule, die Ausübung der Seelsorge und die Unterordnung unter die Pfarrei Gabelbach, eine besondere Vorbereitung eines Pfarrkandidaten auf den Jugendunterricht). Am 5. Januar 1811 folgte die Genehmigung des Ordinariats von Augsburg (vgl. Hauf 1984, S. 84ff.).
„Für die Besoldung des Geistlichen stiftete der Pfarrer Knöpfle von Achsheim, ein Sohn der Gemeinde, 6000 Gulden, die in Hypotheken angelegt waren. Die Gemeinde verpflichtete sich alljährlich 80 Gulden in Geld zu leisten sowie ein kleines Widum (Pfarrgut) mit einem Gemeinderecht zu einem ganzen Nutzanteil zu errichten. Der Pfarrer von Gabelbach zahlte jährlich 4 Gulden in bar, gab einen Scheffel Roggen und überließ dem Benefiziaten den Flachs- und den Grundbirnzehnt, die anfallenden Stolgebühren und das Opfergeld" (aus der Festschrift:80 Jahre Freiwillige Feuerwehr Gabelbachergreut).
Das Benefiziatenhaus ließ Kaplan Franz Borgias Kretzler aus Gabelbach auf seine Kosten erbauen. Er wurde 1813 der erste Kurat- und Schulbenefiziat in Gabelbachergreut.
Der als Schulzimmer genutzte Raum war von Anfang an zu klein bemessen. „Im Jahre 1845 wurde auf Betreiben des Pfarrers Meichelböck von Gabelbach gegen Süden an das Benefiziatenhaus ein Schulraum angebaut (...) Von 1877 bis 1919 blieb die Benefiziatenstelle unbesetzt. (...) Wegen zu geringer Seelenzahl wurde am 5.2.1930 das Kuratbenefizium abgebaut” (Hauf 1984, S. 89ff.).
„Vom Jahre 1877 an wurde die Schulstelle mit weltlichen Schulverwesern Lehrkräfte, die vor der Anstellung
zum definitiven Lehrer standen besetzt” (aus der Festschrift: 80 Jahre Freiwillige Feuerwehr Gabelbachergreut).
„Längst genügte der kleine, etwas düstere, an das Benefiziatenhaus angebaute Schulraum den schulischen Anforderungen nicht mehr. Die Gemeinde entschloß sich deshalb im Jahre 1913 ein neues Schulgebäude zu bauen. (...) Die Kosten für den Bau beliefen sich auf 21 796 Mark 30 Pfg.. Zur Bezahlung dieser Summe nahm die Gemeinde 21 800 Mark von Privatleuten aus Gabelbachergreut auf. (...) Nach dem Tilgungsplan wäre in 58 Jahren die Schuld abgetragen worden. Doch es kam anders. Der Kreis gewährte 1916 einen Zuschuß von 7000 Mark und die Restschuld tilgte die Inflation von 1919-1923, in der alle Deutschen Milliardäre waren.
Die Gemeinde besaß jetzt ein billiges, stattliches Schulhaus. Im Erdgeschoß befanden sich ein Schulsaal und die sanitären Anlagen, im ersten Stock die geräumige, sonnige Lehrerwohnung. In den Neubau zog im Jahre 1914 als erster Lehrer der schulverweser Max Weiß ein” (Hauf 1984, S. 94).
Prominentester Lehrer in Gabelbachergreut dürfte Herr Dr. Peter Menacher sein (1964-1967 Lehrer in Gabelbachergreut), der spätere Oberbürgermeister von Augsburg.
„Im Zuge der Neugliederung des bayerischen Schulwesens löste die Regierung von Schwaben die Schule in Gabelbachergreut am 1. 9. 1969 auf. Sie kam zum Schulverband Zusmarshausen. Seit dieser Zeit besuchen die Schüler aus Gabelbachergreut die dortige Verbandsschule” (Hauf 1984, S. 94).
Im Erdgeschoß des einstigen Schulgebäudes befindet sich heute das Vereinsheim der Freiwilligen Feuerwehr, die Wohnung im Obergeschoss ist vermietet.
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